Assoziierte

Zweite  Generation

Assoziierte 2016-2019

Aline Benecke

Ethik der Zeugenschaft. Drehen und Wenden von 2400 Fotografien… gefunden in Auschwitz

Material meiner Forschung sind 2400 Fotografien die in den 90er Jahren im Archiv des Museums Auschwitz-Birkenau gefunden wurden und den dort inhaftierten und ermordeten Menschen gehört haben. Diese Sammlung an Privatfotografien wurde in einem aufwändigen Projekt des Fritz – Bauer – Instituts über 10 Jahre restauriert, neu archiviert und veröffentlicht. Die Forschung wirft die ethische Frage auf, wie wir mit Fotografien umgehen, die uns überliefert sind, weil deren Besitzer umgebracht wurden. Vor dem Hintergrund dieser Frage hatte das beschriebene Projekt zum Ziel die Identitäten der abgelichteten Menschen aufzuarbeiten. Dieses Vorhaben ist von der Ethik geprägt die Personen aus der identitätslosen Masse an Opfern heraus zu lösen. Die Methoden der Forschung richteten zwangsläufig das Augenmerk darauf, die Fotografien als authentische, historische Zeugnisse zu lesen, die Spuren einer Vergangenheit zu bergen, die objektiv rekonstruierbar sind.
Mit meinem Fokus auf diese privaten Familienfotografien und die Prozessen der Archivierung befrage ich die Konventionen der Darstellung(en) der Shoah durch Privatfotografien der Vor-Zeit und die ihr zugrunde liegenden Diskurse.

Caroline von Courten

The Photographic Surface as Interface between Substances and Spaces
Abstract folgt.

Katrin Eva Deja

Making myselfie subversive – Erschließung des subversiven Potenzials von Körpertechniken in der Selfiekultur

Das Dissertationsprojekt befasst sich mit dem historischen Wandel von subversiven Körperinszenierungen in dem Kunstgenre des Selbstportraits und fokussiert darin die Dispositive der neuen digitalen Technologien.
Der Körper ist Machtdiskursen unterworfen, die ihn durchdringen, ihn konstituieren, formen und sichtbar machen. Das fotografierte Selbstportrait fungiert somit als Element der Auseinandersetzung mit dem Ich im Moment der Selbst- und Fremdbetrachtung. Folglich ist das Selbstportrait als ein Artefakt von historischen Körper- und Machtdiskursen zu sehen, die gesellschaftlich sozialisiert und habitualisiert werden. Ausgehend von der Annahme, dass sich Technik immer auch im Bildinhalt reflektiert, wird davon ausgegangen, dass technische Bedingungen die Körperinszenierungen vehement verändern. Insbesondere das Selfie, das neuen technischen Bedingungen des Smartphones, der Photosharing-Portale und des integrativen Zirkulationsprozesses unterliegt, weist stetige Aushandlungen von Körperinszenierungen auf. Inszenierungstrends, die an Mechanismen des Benennens, Wiederholens und der Festigung zu internationalen Inszenierungstrends werden, zeigen die Wirkungsmacht neuer Dispositive digitaler Technologien.
Das Dissertationsprojekt will demnach erschließen, inwiefern der offene, aushandelnde Prozess von Körperinszenierungen in der Selfiekultur genutzt wird, um mit Hilfe von Selfies gegen geschlechterspezifisch stereotypische Körperinszenierungen und Body Images zu rebellieren. Es sollen im Hinblick auf Judith Butlers Theorie der Performativität von Geschlechterordnungen geschlechterstereotypische sowie „queere“ subversive Körperinszenierungen und damit ein historischer Wandel der subversiven Körperinszenierungen im Zusammenhang mit technischen Innovationen untersucht werden.

Julia Mauga

Die Komponenten Zeit und Raum im fotografischen Werk von Manfred Paul

Im Zuge eines gewachsenen Interesses an der künstlerischen DDR-Fotografie erlangt auch das Werk des Berliner Fotografen Manfred Paul in den letzten Jahren eine erhöhte Aufmerksamkeit. Seine „stillen“, oft menschenleeren Bilder stehen im Gegensatz zu den sozialdokumentarischen Werken von beispielsweise Arno Fischer und Evelyn Richter, die das heutige Bild der künstlerischen DDR-Fotografie jener Zeit prägen. Es sind keine erzählerischen Bilder vom Alltag und von der Lebenswirklichkeit der DDR. Paul wählt eine abstraktere Bildsprache und sucht vielmehr in den sichtbaren Dingen nach Formen und Bildkompositionen, die seiner Beschäftigung mit Fragen nach der menschlichen Existenz Ausdruck verleihen können. Immer
wieder spielt dabei ein Nachdenken über die Darstellbarkeit von zeitlichen und räumlichen Komponenten im fotografischen Bild eine zentrale Rolle. Es entstehen Gleichnisse für Begrenztheit, Weite, Stillstand, Endlichkeit oder das Beiläufige.
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, das fotografische Schaffen von Manfred Paul erstmals über den Kontext der DDR hinaus zu betrachten und dabei den Einfluss der besonderen historischen Rahmenbedingungen auf das Potential der Fotografie zu untersuchen. Die Korrelation von Zeit und Raum auf verschiedene Ebenen seines Oeuvres setzt indes eine thematische Klammer.

Juliane Phieler

Komm und sieh – Eine Untersuchung zu den fotografischen Arbeiten von Tobias Zielony

Die fotografischen Arbeiten Tobias Zielonys entziehen sich in ihrer künstlerischen Vorgehensweise einer klaren Zuschreibung von Dokument und Inszenierung. Im Zentrum des Dissertationsvorhabens steht das Verhältnis und die komplexen Wechselwirkungen von Dokumentation und Fiktion im Werk des Fotokünstlers. Im Vorfeld der spezifischen Auseinandersetzung mit den fotografischen Werken wird eine Untersuchung der Bedeutung und Entwicklung des Dokumentarischen erfolgen. Begriffserklärung sowie diverse Formen des Dokumentarischen werden von den frühen 1920er Jahre bis hin zur aktuellen Fotografiedebatte der Gegenwart erfolgen. In den Arbeiten Zielonys zeigt sich sein ambivalentes Verhältnis zur Dokumentarfotografie. So lassen die Fotos keine eindeutigen Bildaussagen zu und verweigern eine klare Lesbarkeit von einfachen Bildbotschaften. Sie erheben nicht den Anspruch, ein objektives Bild von Wirklichkeit zu liefern. Die dramatisierenden Elemente lassen eine Narration entstehen, die sich im Spannungsverhältnis zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit bewegt. Ein weiteres zentrales Anliegen des Dissertationsprojekts ist es, die Stilmittel, die eine spekulative Narration erzeugen, zu benennen und ihre Wirkungsweise zu analysieren.

Agnieszka Muriel Roguski

The Self on Display. Visuelle Performanzen in der digitalen Gesellschaft

Wie formen wir inmitten der digitalen Gesellschaft ein ‚Selbst’, wenn unsere öffentliche Sichtbarkeit genauso wichtig erscheint wie dessen subjektive Eigenkreation? Welche Rolle spielt dabei die performative Dimension des Displays, das dem Zeigen Form und Fläche gibt – und welche Diskurse artikulieren sich darüber? Das Dissertationsprojekt untersucht anhand des sogenannten ‚Selfies’, dem mit dem Smartphone selbst aufgenommenen und virtuell publizierten Selbstporträt die visuelle Performanz des sogenannten Kreativsubjekts, das, so die These, sich durch Zeigestrategien erst authentifiziert und produziert. Dem Vorhaben spezifisch ist die Gegenüberstellung von Netz- und Kunstdiskurs, da in beiden Prozesse der Sichtbarmachung verhandelt werden, die ein Selbst im Verhältnis zu einer bestimmten visuellen Ordnung hervorbringen, die zunehmend im Netz zirkuliert – und das Display zum Schauplatz erheben. Dabei wird das ‚Selfie’ als Ausgangspunkt und Untersuchungsgegenstand genutzt: Von ihm ausgehend wird die historische Genese eines ‚Self on Display’ nachgezeichnet, das theoretisch im Kreativsubjekt gefasst und methodisch einer Bildanalyse unterzogen wird, der kultur-, medien- und theaterwissenschaftliche Perspektiven vorangehen – und so im Dialog stehen mit aktuellen Fragen der Präsentation und Performativität von Ausstellungen im Zeichen ihrer digitalen Entgrenzung.

Elena Skarke
elena.skarke at gmail.com

Farbe als Experiment im fotografischen Werk von Saul Leiter

Die Popularität der Farbfotografie setzte mit dem Kodachrome-Film im Jahr 1935 ein und wurde neben ihrer immer größeren Präsenz in Werbung und Amateurfotografie auch als Medium künstlerischer Fotografie erprobt.

Im New York der 1940er Jahre begann Saul Leiter mit dem neuen Medium des Farbumkehrfilms zu experimentieren. Diese Fotografien oszillieren zwischen Abstraktion und Dokumentation von Alltäglichkeiten und stellen insbesondere die Farbe als wesentliches Thema heraus. Das Dissertationsvorhaben unternimmt erstmals eine wissenschaftliche Aufarbeitung von Saul Leiters freien Farbfotografien und verortet diese im Kontext amerikanischer Kunst- und Fotografiegeschichte.

Bis 1993 fertigte Saul Leiter keine Abzüge von seinen Farbdiapositiven an, sondern projizierte diese ausschließlich in einigen Galerieausstellungen und in seinem New Yorker Apartment. In den Blick genommen werden Saul Leiters Fotopraxen sowie die Präsentationsmodalitäten seiner Farbfotografien auf der Folie dieser unterschiedlichen materiellen Bedingungen: Umkehrfilm, Diapositiv, Projektion und Print. Im Dissertationsprojekt wird dementsprechend nicht von einer statischen Bildkonzeption ausgegangen, sondern die These verfolgt, dass nur ein dynamischer Bildbegriff der fotografischen Arbeit Saul Leiters gerecht wird und der Fotograf offensiv mit diesem experimentierte. Die Dissertation macht sich daher zur Aufgabe, das fotografische (Farb-)Bild bei Saul Leiter jeweils in seinem Verhältnis von Darstellung (image) und deren bildlicher Materialisierung (picture) zu analysieren.

Erste  Generation

Assoziierte 2013-2016

Ulrike Blumenthal
ulrike.blumenthal at web.de

Atelier/Fotografie: Die Künstler der École de Paris in der Fotografie

Die Geschichte der École de Paris ist in erster Linie eine Geschichte ihrer Darstellung. In unzähligen Fotografien und Filmen sind die Pariser Künstlerinnen und Künstler nicht nur dokumentiert, sondern vor allem inszeniert worden. Eine kaum zu überschätzende Bedeutung in diesem weitreichenden Prozess der Bildproduktion und -rezeption kommt den Aufnahmen des ungarisch-französischen Fotografen Brassaï zu. Seit den frühen 1930er Jahren lichtete er im Auftrag für Kunstzeitschriften und Lifestyle-Magazinen die prominentesten Maler und Bildhauer der École de Paris wie Picasso, Matisse, Giacometti oder Maillol in ihren Ateliers ab.

Das vorliegende Promotionsprojekt widmet sich erstmals umfassend diesen Fotografien und ihrer Wirkungsgeschichte. Sie lassen nicht nur neue und entscheidende Schlüsse auf das Selbstverständnis der dargestellten Künstler zu, sondern spielen darüber hinaus für das Künstlerbild der Klassischen Moderne im Allgemeinen und für die Rezeption der École de Paris im Besonderen eine ausschlaggebende Rolle. Das in ihnen präsentierte Image des Avantgarde-Künstlers verbindet die Konzepte der Innerlichkeit, des Außenseitertums und der Schöpferkraft untrennbar mit dem Atelier als Ort der Inspiration und Originalität. Ausgehend vom komplexen Handlungsgefüge, das die Aufnahmen sowohl strukturiert als auch charakterisiert, sowie mithilfe einer interdisziplinären Herangehensweise kann ein neuer Blick auf die Kunst- und Kulturgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geworfen werden, der Phänomene der Fotografie-, Atelier- und Avantgardegeschichte bündelt und als sich gegenseitig bedingende Parameter erfasst.

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Sara Hillnhütter
sara.hillnhuetter at hu-berlin.de

Perspektive im Lichte der Fotografie. Albrecht Meydenbauers Messbilder und deren Verwendung in der Kunstgeschichte und Archäologie

Der Architekt Albrecht Meydenbauer (1834–1921) nutzte fotomechanische Lichtbilder, um Denkmäler mittels einer perspektivischen Projektion zu vermessen. Die Krümmung der Lichtstrahlen und Linien im Bild suchte Meydenbauer apparativ zu minimieren, um die Bildfläche im Sinne einer Ökonomie der geometrischen Informationen zu nutzen. Der geometrische Systemraum der Planperspektive wurde dabei in den Erfahrungsraum der Fotografie überführt. Die wissenschaftshistorische Fragestellung des Dissertationsprojektes geht dem veränderten Status der Bildlichkeit nach. Bereits in den Anfangsjahren der Königl. Preußischen Meßbildanstalt begann ein reger Diskurs unter Kunsthistorikern und Archäologen, aus dem heraus Handlungsanweisungen formuliert wurden, wie Gebäude aufzunehmen seien. Anhand dieser frühen Technikkritik, die häufig mit optisch-perspektivischen Vokabeln der Verzerrung, Fluchtung oder Krümmung operiert, soll der epistemische und ästhetische Gebrauch der Architekturfotografie historisch situiert werden.

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Elisabeth Maria Hofmann
elisabethmariahofmann at gmail.com

Fotografische Augenzeugenschaft. Ethik und Ästhetik des fotojournalistischen Dispositivs im World Press Photo-Wettbewerbsarchiv

Die historische Koinzidenz nachhaltiger fotografischer Initiativen mit intensiven Bemühungen um Völkerverständigung und Menschenrechtsabkommen führt vor Augen, dass die Suche nach einem humanen Selbstverständnis eng mit dem fotografischen Verfahren und ästhetischen Fragestellungen verwoben ist. Ausgehend von diesem Befund ist es das Ziel des Dissertationsprojektes, die fotografische Augenzeugenschaft als ethisch-ästhetisches Dispositiv zu begründen, das sich nicht auf einen indexikalischen Zeugnischarakter des Bildes beschränkt und von den moralischen, ideologischen oder ontologischen Dualismen der Authentizitäts- und Machtdiskurse abgrenzt. Untersucht werden soll, wie sich dieses fotografische Dispositiv im ästhetischen und technisch-medialen Bezug auf ein konkretes Außerbildliches konstituiert sowie in der politischen, sozialen und kulturellen Interdependenz fotojournalistischer Produktions- und Rezeptionspraktiken konfiguriert. Das im World Press Photo-Wettbewerb institutionalisierte Selbstverständnis der fotojournalistischen Praxis als professionelle Augenzeugenschaft ist dafür der adäquate Untersuchungsgegenstand. Auf Grundlage der Publikationen der Stiftung World Press Photo sollen zunächst die diskursiven und ästhetischen Entwicklungen fotojournalistischer Konzipierungen analysiert und in übergreifende foto-und wissenschaftsgeschichtliche Kontexte eingeordnet werden. In der anschließenden Auseinandersetzung mit dem Wettbewerbsarchiv finden insbesondere die fotografischen Repräsentationen von gewaltsamen Tötungen eine besondere Berücksichtigung, um aus diesen extremen Konfrontationen die ethischen und ästhetischen Verhältnisse fotografischer Augenzeugenschaft genauer zu bestimmen. In diesem Zusammenhang werden auch Revisionen der im kritischen Diskurs über journalistische Fotografien etablierten Thesen der negativen Stereotypisierung, der massenmedialen Desensibilisierung und der beschönigenden Ästhetisierung unternommen und alternative theoretische Perspektiven aufgezeigt.

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Min-Young Jeon
m.jeon at gmx.de

Der Ort der medialen Dispositive. Medial organisierte Wahrnehmung in der Kunst von Thomas Struth und Diana Thater.

Das Promotionsprojekt zielt auf eine Analyse der dispositiven Struktur von zeitgenössischer Fotografie und Videokunst. Das Verhältnis von Apparat und Betrachter wird als Untersuchungsgegenstand fokussiert. An exemplarischen Werkbeispielen von Thomas Struth und Diana Thater wird die besondere Wechselbeziehung zwischen Betrachter und Werk anhand ihrer Installation im Raum befragt. Mit dieser Untersuchung wird auf die Thesen Jonathan Crarys reagiert. Von diesen ausgehend stellen sich für das Projekt folgende Fragestellungen: Wie wird qua Dispositivkonstruktion in aktuellen Foto- und Videoinstallationen das technische Bild generiert und bietet jene dispositive Anordnung darüber hinaus eine Möglichkeit, um zu einer Lesbarkeit des Bildes beizutragen?

Ausgehend von Crary’s Ansatz, der anhand der Technikgeschichte der apparativen Medien einen paradigmatischen Wandel in der Sehtradition der Renaissance verortet, diese allerdings als Fiktion der Camera obscura weiterbestehe und ihren massenmedialen Erfolg begründe, soll im Anschluss an die von Martina Dobbe exemplarisch an zwei Werken diskutierte Fragestellung1, die Crarys Paradigmenwechsel vom Bild zum Dispositiv thematisiert, um von dort zurück zum Bild zu gelangen um folgende Untersuchungen erweitert werden: geht man davon aus, dass der Fotoapparat2 als Sehmaschine verstanden das Sehen verlängert und die Wahrnehmung fotografisch organisiert, das heisst somit »die Welt insgesamt durch die Fotografie zum Bild wird«3, ergibt sich daraus die These, dass eine Erweiterung der Wahrnehmung ebenso über andere mediale Bildformen wie beispielsweise dem Video erfolgen kann, dem die Dispositivstruktur als handlungsweisende Matrix zu Grunde liegt.

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Dietmar Kohler
dietmarkohler at gmx.de
Vita

Spiegel, Bild und Wahrnehmung im Werk von Gerhard Richter und Wolfgang Tillmans

Gerhard Richter (*1932) und Wolfgang Tillmans (*1968) zählen zu jenen zeitgenössischen Künstlern, welche die Möglichkeiten und Bedingungen aktueller Bildproduktion nicht durch medienspezifische Reduktion, sondern durch Mediengrenzen übergreifende Expansion auszuloten versuchen. So konzipiert Richter seit 1967 verschiedene Arbeiten, deren materielle Basis aus (semi-)transparenten bis chromatisch-reflektierenden Glasscheiben besteht. Auch im Werk von Tillmans entstehen im Kontext seiner Auseinandersetzung mit fotografischer Abstraktion seit 1998 Gruppen quasi monochromer Fotografien und Foto-Objekte, welche ihre materielle Grundlage in hochglänzendem, Licht reflektierendem Fotopapier haben. Über diese im Zwischenbereich von Malerei, Fotografie, Skulptur und Installation angesiedelten ›Spiegel-Arbeiten‹ beider Künstler wird sich im vorliegenden Dissertationsvorhaben der Frage nach ›dem Fotografischen‹ von dessen äußersten medialen und diskursiven Grenzen her genähert. Dabei werden vor allem jene Potenziale fotografischer Bilder in den Blick genommen, die sich ergeben, wenn diese nicht primär als apparativ konstituierte ›Realitäts-Abbilder‹ begriffen werden, sondern wenn das gesamte Spektrum ihrer bildlichen Möglichkeiten ausgeschöpft wird. So werden an Richters und Tillmans’ Arbeiten verschiedene bildtheoretische Fragen gerichtet, deren gemeinsamer Ausgangspunkt die reziproke Beziehung zwischen reflektierender Oberfläche und Betrachter ist. Jene zugleich banale wie komplexe Erfahrung, sich im Spiegel beim Betrachten betrachten zu können, bildet die Grundlage für eine phänomenologisch-rezeptionsästhetisch geführte Auseinandersetzung mit der Frage wie wir uns (fotografischen) Bildern nähern, welche Faktoren unsere Wahrnehmung von ihnen beeinflussen und wie diese von Richter und Tillmans gezielt hinterfragt werden.

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Natascha Pohlmann
natascha.pohlmann at gmx.de

Fotografie ohne Klasse. Künstlerische Verfahren der Aneignung privater und gefundener Fotografien seit den 1960er Jahren

Fotografieren als private Praxis ist als eine der zentralen Kulturtechniken des 20. Jahrhunderts, heute mehr denn je, allgegenwärtig. Angesichts der unterschiedlichen Anwendungsgebiete und Funktionen von Fotografien ergibt sich so das Problem einer Unterscheidung zwischen Kunst und Nicht-Kunst für die Rezipienten fotografischer Bilder. Mit der Schwierigkeit dieser Unterscheidung und ihrer Sinnhaftigkeit setzen sich auch Künstler selbst medienreflexiv auseinander. In besonderem Maße lässt sich dies anhand von künstlerischen Werken beobachten, die in direkter Beziehung mit Bildern aus dem alltäglichen Bereich der privaten Praxis des Fotografierens stehen.

Ziel des Dissertationsprojektes ist es, eine kunsthistorische Abhandlung über künstlerische Verfahren der Aneignung privater und gefundener Fotografien seit den 1960er Jahren bis in die Gegenwart vorzulegen. Im Zentrum des Forschungsvorhabens steht neben der Untersuchung des mit dem Prozess künstlerischer Aneignungen vollzogenen Verwendungs- und Funktionswandel von in privater Praxis entstandenen Fotografien vor allem die Auseinandersetzung mit ihrer Ästhetik, ihren Präsentationsformen und der Bedeutung dieser Arbeiten für die Bildenden Künste. Zu diesem Zweck werden ausgewählte künstlerische Positionen sowohl von bereits etablierten, als auch von noch unbekannteren Künstlern, deren Werk sich in besonderer Weise mit privater Fotografie auseinandersetzt, herangezogen. Bei der Werkauswahl wird ein Schwerpunkt auf den künstlerischen Bereich der Fotografie in der Konzeptkunst wie auch auf das künstlerische Medium Buch gesetzt. Die Dissertation schlägt Verbindungen zwischen Kunst- und Kulturgeschichte vor und integriert fototheoretische, kunst- und medienwissenschaftliche Fragestellungen.

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Katja Pufalt
kpufalt at web.de

Praktiken des Sekundären im Werk Hiroshi Sugimotos

Im Zentrum des Dissertationsvorhabens stehen die Strategien der Aneignung im photographischen Werk Hiroshi Sugimotos. Ausgangspunkt des Projektes ist das gesteigerte Interesse der aktuellen kunst-, kultur- und mediengeschichtlichen Forschung an dem Thema der Kopie. Neben der Kopiertätigkeit als Kulturtechnik gehörte das Nachahmungsprinzip (Mimesis) seit Platon zur Bildwerdung und etablierte sich somit als historisch determiniertes Wertkriterium der Bildenden Kunst. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird eine An/Verwendung der Kopie innerhalb der Kunst sowie das Bestreben einer kunsttheoretischen Neubewertung evident, die neben begrifflichen Bestimmungen, juristischen Eingrenzungen, ontologischen sowie rezeptionstheoretischen Deutungen auch kunsthistorische Analysen, die das Interesse von Künstlern an der Rezeption von Kunst durch Künstler diskutieren, forciert. Die künstlerische Praxis des Kopierens erfährt vor allem durch die kunstkritische Auseinandersetzung mit der historischen Appropriation Art als auch durch die photographische Tendenz der Interpiktoralität seit den 80er Jahren eine neue Aktualität. Angesichts dieser verschiedenen Formen der bildlichen Aneignung im photographischen Medium entfaltete sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine neue Theoretisierung der Photographie als Kunst, die um Fragen der Reproduktion, Zitation, Imitation und Simulation kreisen. Vor diesem Hintergrund wird am Beispiel der Werkserien Portraits, Photogenic Drawings und The wooden box die Aneignung Sugimotos als Diskurs der Bilder untersucht. Die Grundannahme lautet, dass durch das Kopieren beziehungsweise durch das Überlagern von verschiedenen Formen der Wiederholung eine Auseinandersetzung mit einer vorgängigen Bildlichkeit als Transkription des Vorgefundenen stattfindet. Neben produktionsästhetischen Erörterungen zum Kopie-Status der Arbeiten soll auch deren rezeptionsästhetischer Mehrwert für den Betrachter untersucht und somit Sugimotos Werk als kunstpraktischer Beitrag zur Neubewertung der Kopie als künstlerische Form befragt werden.

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Isabell Wiesner
isabell.wiesner at yahoo.de

›The Science of Ourselves‹. Fotografien der Arbeiterklasse  im Großbritannien der 1930er Jahre

Meine Arbeit beschäftigt sich mit der Herausbildung des ›Dokumentarischen‹ im Großbritannien der 1930er Jahre als eine spezifische Sicht- und Darstellungsweise, welche die soziale Alltagswirklichkeit der working class in den Fokus nahm. Zentrale Manifestationen dieses Paradigmas stellen die Fotografien von Humphrey Spender dar, die im Umfeld der Mass Observation entstanden – einer Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hatte, das Leben der ›einfachen Leute‹ festzuhalten. Der Darstellunsmodus des ›Dokumentarischen‹ war jedoch nicht nur auf das Medium der Fotografie beschränkt, sondern drückte sich auch in anderen Feldern wie bspw. Film und Journalismus aus. Seine Entstehung wird daher als ein feldübergreifendes Phänomen beschrieben, welches aus dem zeitspezifischen Zusammentreffen von kulturellen, sozialen und biografischen Umständen resultierte. Ziel der Arbeit ist die Rekonstruktion dieses kontextuellen Gefüges, um dann mittels einer relationalen Kulturanalyse feld- und medienübergreifende Muster bzw. Darstellungsmodi des ›Dokumentarischen‹ herauszukristallisieren. In diesem Zusammenhang liegt ein besonderes Augenmerk auf der Form der Übersetzung von ästhetischen Codes des ›Dokumentarischen‹ in verschiedene Medien. Ferner wird das ›Dokumentarische‹ auf seine argumentative Funktion im Sinne einer bestimmten Ideologie hin befragt und seine Einbettung in machtvolle Praktiken der Wirklichkeitsdarstellung – insbesondere der britischen Arbeiterklasse – nachgezeichnet.