Zusammenfassung

Summary


Die jüngste Fotoforschung fokussiert die Fotografie nicht allein als Bild, sondern betrachtet das Fotografische als komplexes Handlungsgefüge, dem spezifische technisch-mediale, soziale, kulturelle und ästhetische Bedingungen zugrunde liegen, dem aber auch das Potenzial zu deren Störung und Modifikation innewohnt. Entstehung, Handhabung, Wahrnehmung und Zeigen der Fotografie entfalten gemeinsam mit den Diskursen über sie eine eigene komplexe Bild- und Blickmacht, die als Disziplinierungsmittel oder kreatives Potenzial wirksam werden kann. Dieses »fotografische Dispositiv«, das in der Forschung noch nicht hinreichend differenziert wurde, bildet den Fokus des geplanten Graduiertenkollegs. Es soll als Theorem präzisiert, auf Geschichte und Gegenwart des Fotografischen angewandt und als innovative Methode für die Fotoforschung weiterentwickelt werden.

Das besondere Zusammenspiel der universitären Studiengänge Kunst- und Medienwissenschaften mit der Freien Kunst und Gestaltung an der HBK Braunschweig bietet für die geplante Perspektiverweiterung auf das Fotografische und seine vielfältigen Praxen einen perfekten Kontext. Das Studienprogramm sieht vier Schwerpunkte vor, die einen unterschiedlichen Fokus auf das fotografische Dispositiv und einen Wechsel von theoretischer und praktischer Annäherung erlauben.

Das erste Leitthema lautet »Das fotografische Dispositiv schreiben«. Hier soll der Dispositivbegriff speziell für die Fotografie erarbeitet werden. Das zweite Thema erörtert »Das fotografische Dispositiv als Ordnung des Wissens«. Recherchen in Fotomuseen und -archiven dienen der Analyse konkreter Archivierungssysteme, ergänzt durch das Studium von Archivtheorien und fotokünstlerischen Umsetzungen archivalischer Ordnungen. Das dritte Leitthema erkundet »Das fotografische Dispositiv als Präsentationsmodus«. Es untersucht, wie das Zeigen die Fotografie als Medium konstruiert und ihr verschiedene Bedeutungen verleiht. Das vierte Leitthema lautet »Grenzüberschreitungen des fotografischen Dispositivs«. Es verfolgt die Migrationen fotografischer Spezifika in andere Medien und deren Rückwirkung auf sie.

Das Konzept des fotografischen Dispositivs erlaubt ein breites Spektrum anschließbarer Dissertationsthemen und fördert den reflexiven Umgang mit unterschiedlichen Erscheinungsformen des Fotografischen. Innerhalb dieses fokussierten Promotionsprogramms werden die selbständige Arbeit der KollegiatInnen unterstützt und berufsqualifizierende Praxiserfahrungen ermöglicht.